Lieblingskind: Hast du eins, und ist das schlimm?


Inhalt
Es ist Badezeit, und Katrin hat ein nasses, glucksendes Baby im Arm. Lena, 14 Monate alt, hat gerade herausgefunden, dass es spritzt, wenn sie mit der Hand aufs Wasser haut, und bei jedem Spritzer quietscht sie vor Freude. Katrin lacht mit. Da wirft Jonas, vier, seinen Schlafanzug auf den Boden. „Ich geh NICHT ins Bett. Du kannst mich nicht zwingen.“
Katrin hört, wie sich ihre Stimme verändert. Bei Lena war sie weich, fast singend. Bei Jonas ist sie plötzlich kurz und kühl: „Heb das auf. Sofort.“ Später, als sie wach im Bett liegt, stellt sie sich die Frage, die sich fast alle Eltern mit mehr als einem Kind irgendwann stellen und die kaum jemand laut ausspricht: Habe ich Lena lieber?
Wenn du so einen Gedanken kennst, bist du in guter Gesellschaft, und er bedeutet nicht das, was du befürchtest. Sich einem Kind in einer bestimmten Zeit näher zu fühlen, gehört zu den häufigsten und am wenigsten besprochenen Erfahrungen im Familienleben. In diesem Artikel erfährst du, was die Forschung über Lieblingskinder weiß, warum dir ein Kind manchmal so viel leichter fällt als das andere, was Kinder tatsächlich bemerken und was du tun kannst, damit sich jedes deiner Kinder für das geliebt fühlt, was es ist. Den größeren Zusammenhang, warum Geschwister um deine Aufmerksamkeit konkurrieren, findest du in unserem Artikel über Geschwisterrivalität.
- ✓Ein Lieblingskind zu haben, ist verbreitet: Eltern behandeln ihre Kinder laut Forschung oft ein wenig unterschiedlich, häufig ohne es zu merken
- ✓In Studien zeigt sich das vor allem im Alltag: bei Wärme, Streit, Freiheiten und Regeln, nicht darin, wie sehr Eltern ein Kind lieben
- ✓Dass dir ein Kind leichter fällt, liegt oft an Temperament, Alter oder einer Phase, und das kann sich von Jahr zu Jahr ändern
- ✓Unterschiede, die Kinder verstehen und gerecht finden, verletzen viel seltener als Unterschiede, die willkürlich wirken oder immer in dieselbe Richtung gehen
- ✓Am meisten hilft: entspannte Zeit mit dem schwierigeren Kind, dieselben Regeln für alle und ein kurzer Satz, warum etwas unterschiedlich ist
Haben Eltern wirklich ein Lieblingskind?
Die meisten Eltern würden Nein sagen. Die ehrlichere Antwort der Forschung lautet eher: ein bisschen, manchmal, und oft ohne es zu bemerken.
Eine große Metaanalyse aus dem Jahr 2025 in der Fachzeitschrift Psychological Bulletin hat Daten von 19.469 Menschen zusammengeführt, aus 30 veröffentlichten Studien und Abschlussarbeiten sowie 14 weiteren Datensätzen. Untersucht wurden Kinder, Jugendliche und erwachsene Kinder (Jensen & Jorgensen-Wells, 2025). Die Forschenden wollten wissen, welche Kinder in einer Familie tendenziell günstiger behandelt werden. Das Ergebnis:
- Eltern gaben an, Töchter leicht zu bevorzugen.
- Gewissenhafte und verträgliche Kinder wurden günstiger behandelt. Bei gewissenhaften Kindern zeigte sich das vor allem darin, dass es weniger Streit mit den Eltern gab.
- Ältere Geschwister bekamen tendenziell mehr Freiheit und Selbstständigkeit, während das Bild bei der Bevorzugung insgesamt gemischter war.
Die Effekte waren klein. Es geht also nicht um Eltern, die ihre Kinder heimlich in eine Rangfolge bringen. Es geht darum, dass das Kind, das sich an Regeln hält und selten widerspricht, weniger Kämpfe und etwas mehr Leichtigkeit erlebt, und das Kind, das sich wehrt, eher das Gegenteil. Die Forschenden ziehen daraus einen praktischen Schluss: Eltern und Fachleute sollten wissen, welche Kinder eher bevorzugt werden, damit ungünstige Muster auffallen.
Warum dir ein Kind gerade leichter fällt
Bevor du dich verurteilst, hilft es zu verstehen, woher dieser Sog kommt. Das Folgende ist größtenteils kein Forschungsergebnis, sondern das, was viele Eltern wiedererkennen, wenn sie ehrlich auf ihre Familie schauen.
Temperament: Manche Kinder passen leichter zu dir
Kinder kommen mit unterschiedlichem Temperament auf die Welt. Manche sind gelassen und anpassungsfähig, andere intensiv, empfindlich oder schnell mit einem Nein zur Hand. Eine ruhige Mutter erlebt ein ruhiges Kind vielleicht als mühelos und ein lautes, beharrliches Kind als anstrengend. Ein lebhafter Vater blüht vielleicht bei dem Kind auf, das seine Energie teilt. Das ist keine Entscheidung, sondern Passung, und die macht manche Beziehungen leicht und andere zur Arbeit. Auch das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik beschreibt, dass Unterschiede im Temperament zwischen Geschwistern Konflikte begünstigen (IFP Familienhandbuch).
Phasen: das kuschelige Baby und der Vierjährige, der Nein sagt
Ein Baby, das dich den ganzen Tag anstrahlt, ist leicht zu lieben. Ein Vierjähriger mitten in der Autonomiephase oder eine Siebenjährige, die Türen knallt, macht es dir im selben Moment schwerer. Viele Eltern spüren einen Zug zum Baby, einfach weil das Baby noch nicht widerspricht. Das südaustralische Elternportal der Regierung nennt auch die andere Seite: Manche Eltern vermissen die Beziehung, die sie vor der Geburt des Babys zu ihrem älteren Kind hatten, und wer diese Gefühle bemerkt, versteht auch die Gefühle seines Kindes besser (Parenting SA).
Das Kind, das dich an dich selbst erinnert
Manchmal teilt ein Kind deinen Humor, deine Interessen oder deinen Blick auf die Welt, und die Nähe entsteht wie von selbst. Manchmal erinnert dich ein Kind an eine Seite an dir, die du nicht magst, oder an einen schwierigen Menschen in deinem Leben, und jeder Streit trifft dich härter, als er sollte. Wenn eins deiner Kinder deine wunden Punkte so trifft wie das andere nie, lohnt sich die Frage, wessen wunde Punkte da eigentlich berührt werden.
Wenn das Leben gerade anstrengend ist
Stress macht die Geduld knapp. In einem schwierigen Jahr kann sich das Kind, das am wenigsten von dir braucht, wie der einzige leichte Teil deines Tages anfühlen, und das Kind, das am meisten braucht, wie ein weiteres Problem. Das ist menschlich. Das IFP Familienhandbuch weist außerdem darauf hin, dass Ungleichbehandlung häufig dann entsteht, wenn es in der Partnerschaft der Eltern kriselt (IFP Familienhandbuch). Gerade dann lohnt es sich, kurz innezuhalten, denn das Kind, das am meisten braucht, muss oft am dringendsten spüren, dass du es magst.
Bevorzugung oder gerechte Unterschiede: was Kinder wirklich bemerken
Nicht jeder Unterschied ist Bevorzugung. Ein Kleinkind braucht beim Anziehen mehr Hilfe als ein Neunjähriger. Ein krankes Kind braucht in diesem Monat mehr von deiner Zeit. Ein älteres Kind darf länger aufbleiben. Das IFP Familienhandbuch hält fest, dass es wegen der unterschiedlichen Bedürfnisse bis zu einem gewissen Grad sogar unerlässlich ist, jüngeren Kindern mehr Aufmerksamkeit zu schenken als älteren. Wer seine Kinder über dieses notwendige Maß hinaus ungleich behandelt, fördert aber Rivalität unter den Geschwistern, und daraus können Verhaltensprobleme entstehen (IFP Familienhandbuch).
Was Kinder bemerken, sind selten die großen Dinge. Es sind die kleinen im Alltag:
- Wärme. Über wessen Witze du lachst, wessen Bild du dir wirklich anschaust, wessen Namen du mit weicher Stimme sagst.
- Streit. Wer zuerst ermahnt wird, wem du im Zweifel glaubst, wer „immer“ angefangen hat.
- Regeln. Ob dasselbe Verhalten dieselbe Reaktion bekommt, egal welches Kind es zeigt.
- Freiheiten und Vorrechte. Wer aussuchen darf, wer öfter ein Ja hört.
Warum die Erklärung so wichtig ist, zeigt eine Studie mit 197 Familien mit zwei jugendlichen Geschwistern. Wurden die Jugendlichen von ihren Eltern unterschiedlich behandelt, hing das mit mehr Eifersucht unter den Geschwistern zusammen und darüber mit mehr depressiven Beschwerden, geringerem Selbstwert und mehr riskantem Verhalten. Bei Jugendlichen, die den Unterschied als gerecht empfanden, verschwand dieser Zusammenhang aber (Loeser et al., 2016). Die Studie lief mit Teenagern, das Prinzip kannst du aber schon mit kleinen Kindern anwenden: Ein Unterschied mit Begründung fühlt sich wie eine Entscheidung an. Ein Unterschied ohne Begründung fühlt sich wie ein Urteil an.
Lena, Schätzchen, komm her. Jonas! Was hab ich gerade gesagt?
Jonas, heb bitte deinen Schlafanzug auf. Danke, Großer. Und jetzt kuscheln wir uns mit einem Buch aufs Sofa, bevor Lena aus der Wanne kommt.
Was Bevorzugung bewirken kann, und was meistens nicht
Wenn Unterschiede groß sind und lange anhalten, spüren Kinder das. Eine Metaanalyse über 34 Studien mit 12.257 Kindern und Jugendlichen fand, dass weniger Ungleichbehandlung durch die Eltern mit weniger emotionalen und Verhaltensproblemen einherging. Bemerkenswert: Wie viel die Geschwister miteinander stritten, hing sogar noch stärker damit zusammen als die Unterschiede in der Behandlung (Buist et al., 2013). Die Übersichtsarbeit von 2025 fasst jahrzehntelange Forschung in dieselbe Richtung zusammen: Kinder, die weniger günstig behandelt werden, entwickeln sich in vielen Bereichen eher schlechter, Kinder, die günstiger behandelt werden, eher besser (Jensen & Jorgensen-Wells, 2025).
Das Kind, das zu kurz kommt, richtet das Gefühl manchmal gegen sein Geschwister. Parenting SA beschreibt, dass Kinder, die sich von ihren Eltern ungerecht behandelt fühlen, manchmal aggressiv gegenüber ihren Geschwistern werden (Parenting SA).
Auch für das bevorzugte Kind ist es nicht immer leicht. Viele Eltern beobachten, dass „das pflegeleichte Kind“ zu sein eine unausgesprochene Aufgabe mit sich bringt: nie das Problem sein, nie das Kind, das sich schwertut, und manchmal ein schlechtes Gewissen haben, wenn das Geschwister wieder die strenge Stimme abbekommt.
Das alles heißt nicht, dass ein paar Wochen, in denen du dich dem Baby näher fühlst, deinem älteren Kind schaden. Die Forschung beschreibt Muster: Unterschiede, die groß sind, die bleiben und die immer in dieselbe Richtung gehen. Und genau Muster kannst du verändern, sobald du sie siehst.
Wenn du dich wiedererkennst: was hilft
Das Muster bemerken, ohne schlechtes Gewissen
Ein schlechtes Gewissen führt oft dazu, dass Eltern das Gefühl entweder leugnen oder übertrieben ausgleichen, und beides hilft wenig. Neugier hilft mehr. Beobachte ein paar Tage lang einfach: Welches Kind ermahnst du zuerst? Von wessen schönen Momenten erzählst du deinem Partner oder deiner Partnerin? Wer bekommt beim Zubettgehen die weiche Stimme?
Dem schwierigeren Kind leichte Zeit schenken
Mit dem Kind, mit dem du am häufigsten aneinandergerätst, verbringst du die meiste Zeit oft im Konflikt: beim Anziehen, bei den Hausaufgaben, beim Zubettgehen. Dieses Kind braucht auch Zeit mit dir, in der nichts von ihm verlangt wird. Parenting SA empfiehlt, mit jedem Kind allein Zeit zu verbringen und dabei Dinge zu tun, die ihm Spaß machen (Parenting SA). Zehn Minuten mit seinem Spiel, nach seinen Regeln, ohne Korrigieren, können die Stimmung zwischen euch spürbar verändern.
Etwas finden, das du wirklich an ihm magst
Kein Lob als Strategie, sondern echte Freude. Vielleicht ist es die Art, wie dein sturer Fünfjähriger argumentiert wie ein kleiner Anwalt, oder wie sich deine laute Siebenjährige mit voller Kraft in alles stürzt. Wenn du es gefunden hast, sag es: „Ich mag, dass du bei einem Puzzle nie aufgibst.“ Kinder spüren den Unterschied zwischen jemandem, der sie lenkt, und jemandem, der sie mag.
Prüfen, ob die Regeln wirklich dieselben sind
Frag dich ehrlich: Wenn das pflegeleichte Kind gerade dasselbe getan hätte wie das schwierigere, wäre deine Reaktion gleich ausgefallen? Wenn nicht, gleich sie an. Die Metaanalyse von 2025 fand, dass sich die günstigere Behandlung gewissenhafter Kinder vor allem in weniger Streit mit den Eltern zeigte (Jensen & Jorgensen-Wells, 2025). Bei der Beständigkeit lässt sich die Lücke am einfachsten schließen.
Sagen, warum etwas unterschiedlich ist
Unterschiedliche Schlafenszeiten, unterschiedliche Aufgaben, diese Woche mehr Hilfe für ein Kind: Nichts davon braucht eine Entschuldigung. Es braucht einen Satz Erklärung, damit sich der Unterschied wie ein Grund anfühlt und nicht wie eine Rangfolge.
Mit deinem Partner oder deiner Partnerin reden
In manchen Familien zieht es jeden Elternteil zu einem anderen Kind, oft zu dem, das sein Temperament oder seine Interessen teilt. Von innen fühlt sich das ausgewogen an und kann trotzdem ein Kind außen vor lassen. Sprecht in Ruhe darüber, beschreibt ohne Vorwurf, was ihr seht, und vereinbart kleine Veränderungen, zum Beispiel dass jeder Elternteil regelmäßig allein Zeit mit dem Kind verbringt, das ihm weniger von selbst nahe ist.
Aus der App
Was du sagst, wenn es passiert
Zwei Kinder streiten, greifen und schreien um dasselbe Spielzeug
Alter 2-10 Jahre
Sag das
- 1Ich seh zwei Kinder, die beide dasselbe Spielzeug wollen. Total frustrierend!
- 2Ich entscheide nicht, wer's kriegt. Ihr wollt es beide - versteh ich.
- 3Das Spielzeug macht erst mal Pause, bis ihr zusammen eine Lösung findet.
- 4Wenn ihr soweit seid, helf ich euch gern beim Überlegen.
Warum das wirkt
Alle 36 Formulierungen sind kostenlos in der App, ohne Konto.

Was du sagst, wenn dein Kind fragt: „Wen hast du lieber?“
Früher oder später fragen die meisten Kinder. Manchmal ganz ruhig beim Zubettgehen, manchmal als Vorwurf nach einem Streit: „Du hast sie viel lieber!“ Die schnelle Antwort „Ich hab euch beide gleich lieb“ stimmt für die meisten Eltern, aber Kinder hören darin oft den Versuch, das Gespräch zu beenden.
Mehr hilft eine Liebe, die konkret ist. Kinder wollen keine Rangliste. Sie wollen wissen, dass ihnen niemand ihren Platz wegnehmen kann.
Red keinen Unsinn. Ich hab euch beide genau gleich lieb, und jetzt wird geschlafen.
Ich hab dich lieb, weil du Jonas bist. Ich mag deine Witze und dass dir alles auffällt. Niemand auf der ganzen Welt könnte du sein, und niemand kann dir deinen Platz wegnehmen.
Wenn die Frage kommt, nachdem du mit genau diesem Kind kurz angebunden warst, steh dazu. Wenn du es aussprichst, merkt dein Kind, dass es richtig gesehen hat, und dass sich so etwas wieder gutmachen lässt.
Wenn dein Kind immer wieder auf das Gefühl zurückkommt, braucht vielleicht die Eifersucht selbst mehr Aufmerksamkeit. In unserem Artikel über Eifersucht bei Geschwistern liest du, was du auf „Das ist unfair!“ und „Du hast ihn lieber!“ sagen kannst.
Wann du dir Unterstützung holen solltest
Die meisten Eltern, die einen Zug zu einem Kind bemerken, können das Gleichgewicht selbst wiederherstellen. Manchmal ist das Gefühl aber ein Zeichen, dass mehr dahintersteckt, bei dir oder bei deinem Kind.
Das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums beschreibt bei einer Wochenbettdepression neben depressiven Beschwerden auch stark gemischte Gefühle gegenüber dem Baby. Hält die gedrückte Stimmung länger als zwei Wochen an, sollte man das ernst nehmen und sich Unterstützung holen (gesund.bund.de). Auch Väter und Partnerinnen können nach der Geburt eines Kindes eine Depression bekommen, darauf weist der britische Gesundheitsdienst hin (NHS).
Fragen, die Eltern zum Lieblingskind stellen
„Ist es falsch, dass ich lieber Zeit mit einem meiner Kinder verbringe?“
Nein. Dass dir die Zeit mit einem Kind leichter fällt, ist ein Gefühl, und Gefühle sucht man sich nicht aus. Zum Problem wird es erst, wenn daraus ein dauerhaftes Muster wird: mehr Wärme für das eine Kind, mehr Kritik für das andere. Nimm das Gefühl als Hinweis, in die Beziehung zu investieren, die mehr Mühe kostet, und nicht als Grund, dich zu schämen.
„Mein Kind will immer nur zu meinem Partner. Ist das auch so etwas wie ein Lieblingskind?“
Es ist derselbe Sog, nur in die andere Richtung. Viele kleine Kinder haben Phasen, in denen sie für alles nur einen Elternteil wollen, und der Lieblingselternteil kann mehr als einmal wechseln. Bleib warm und ansprechbar, ohne zu konkurrieren, und übernimm weiter deinen Teil beim Zubettbringen und Baden. Die passenden Worte findest du hier: was sagen, wenn dein Kind nur den anderen Elternteil will.
„Darf ich meinen Kindern sagen, dass eins von ihnen einfacher ist?“
Nicht mit diesen Worten. Kinder hören „einfacher“ als „besser“. Du kannst ehrlich sein, ohne zu bewerten: „Wir zwei geraten manchmal aneinander, weil wir beide so dickköpfig sind. Das mag ich an dir, auch wenn es manchmal schwer ist.“ So bekommt dein Kind eine Erklärung, die nicht es selbst zum Problem macht.
„Mein Großer sagt, das Baby bekommt alles. Hat er recht?“
Vielleicht, im Moment. Babys brauchen nun mal mehr Versorgung, und so zu tun, als wäre es anders, überzeugt selten jemanden. Gib es zu („Das Baby braucht gerade wirklich viel von mir“) und sorg dafür, dass dein Großer etwas bekommt, das das Baby nicht hat: eine spätere Gutenachtgeschichte, eine Aufgabe für Große, einen besonderen Ausflug. Mehr Ideen für diese Zeit findest du in unserem Artikel, wie du dein Kind auf das Geschwisterchen vorbereitest.
„Werden sich meine Kinder später an Bevorzugung erinnern?“
Was bei Kindern bleibt, ist eher das Muster als der einzelne Moment. Ein schwerer Monat, in dem ein Kind mehr von deiner Geduld bekommen hat, ist nicht die ganze Geschichte. Entscheidend ist, ob sich jedes Kind über die Jahre gesehen, gemocht und gerecht behandelt gefühlt hat. Und dieser Teil liegt weiter in deiner Hand.
Wie geht es weiter?
- Warum Geschwister überhaupt konkurrieren: Geschwisterrivalität: warum Geschwister streiten
- „Du hast sie lieber!“ und „Das ist unfair!“: Eifersucht bei Geschwistern: was du sagen kannst
- Wenn daraus Streit wird: Geschwisterstreit: was im Moment wirklich hilft
- Ein Baby ist unterwegs oder gerade da: Geschwistereifersucht vorbeugen und dein Kind auf das Baby vorbereiten
- Wenn dein Kind nur den anderen Elternteil will: was sagen, wenn dein Kind nur den anderen Elternteil will
- Passende Sätze für die schwierigsten Geschwistermomente: RootWise bei Geschwisterstreit
Quellen
- IFP Familienhandbuch, Christine Schmid: Die Bedeutung von Geschwistern für die soziale und kognitive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit): Wochenbettdepression
- Parenting SA (Regierung von Südaustralien): Sibling conflict
- NHS (britischer Gesundheitsdienst): Postnatal depression
- Jensen, A. C., & Jorgensen-Wells, M. A. (2025). Parents favor daughters: A meta-analysis of gender and other predictors of parental differential treatment. Psychological Bulletin.
- Buist, K. L., Deković, M., & Prinzie, P. (2013). Sibling relationship quality and psychopathology of children and adolescents: a meta-analysis. Clinical Psychology Review, 33(1), 97-106.
- Loeser, M. K., Whiteman, S. D., & McHale, S. M. (2016). Siblings' perceptions of differential treatment, fairness, and jealousy and adolescent adjustment. Journal of Child and Family Studies, 25, 2405-2414.

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